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Bayern

München

Uli Hoeneß

 

Rote in einer Herde von Weiß-Blauen.

Ich bin seit meiner Kindheit Fan des 1.FC Bayern München, was ich ganz einfach als Vorläufer von Vernunft bezeichne. Das ist so was wie katholisch sein. Was bringt es, Fan vom Club zu sein oder von Tasmania Berlin. Das macht einfach keinen Sinn.

In den KABA-Dosen in den Sechzigern gab es damals Wimpel aller Bundesliga-Vereine, ich habe also Wimpel von RW-Oberhausen, RW-Essen und Aachen. UND Bayern München. Werder Bremen und der HSV waren ebenso wie der 1.FC Köln vertreten. Das waren noch Zeiten.

Anfangs war es eigentlich ein eher blasser Verein, der gegen die Tradition eine Familie Nürnberg oder 60er zu kämpfen hatte. Das war anscheinend die Hauptaufgabe der damaligen Spieler. Schließlich hatten diese bayrischen Vereine in prähistorischer Zeit schon etliche Meriten gesammelt und ein FC Augsburg hatte einen Helmut Haller nach Italien abgeben müssen. Und das zu einer Zeit, als noch Kontrollen beim Grenzübertritt gab.

Der Verein schaffte ein Renommée, das sich nur durch Leistung fundamentieren konnte; man wurde Deutscher Meister, Pokalsieger und auch irgend wann ein Mal (Merke: der Verein war kein Gründungsmitglied der Bundesliga) kam der erste internationale Titel.

Der Verein versuchte, größer zu werden, erfolgreicher und geldiger. Was teilweise gelang.

Er wurde größer, erfolgreicher und ärmer. Mitte der 70er war man fast pleite, obwohl man der beste und erfolgreichste Verein der Welt war, bis sich eine Verletzung zu Glücksfall des deutschen Fußballs entwickelte: Uli Hoeneß erlitt eine schwere Knieverletzung und musste den aktiven Spielbetrieb einstellen. Fragt jetzt nicht nach näheren Einzelheiten, ich sitze ganz einfach hier und schreibe vor mich hin.

Irgendwann wann ist Hoeneß zum Manager des Vereins berufen worden, ich weiß aber nicht ob es einen Vorgänger gab. Beckenbauer hatte einen, nämlich Robert Schwan, aber auf Vereinsebene kann ich mich jetzt nicht an eine Parallele erinnern.

Dieser Sohn eines Wurstfabrikanten hatte schon zu seiner aktiven Zeit das Spiel des FC Bayern (zusammen mit Paul Breitner) geprägt, ab jetzt prägte er das Erscheinungsbild eines Weltunternehmens. Okay, anfangs war es trotz aller Erfolge nur ein etwas besser gestellter Dorfverein, der gelegentlich in der Weltpresse auftauchte, aber es wurde bald besser.

Es gab erste Merchandising-Artikel  außerhalb der KABA-Dosen (auch Frank Beckenbauers "Gute Freunde..." wurde in Kaba Dosen veröffentlicht), Hoeneß schaffte es, eine simple plus/minus-Rechnung in das Gebaren des Unternehmens einzubringen. Ein Gedanke, der nur sehr wenigen Vereinen eigen ist.

Die Bayern wurden keineswegs besser (niemand schafft es, ständig der Beste der Welt zu sein), aber sie wurden verdammt konstant. Und sie wurden zu den Financiers der Bundesliga. Die meisten Vereine hatten nur dann volle Häuser, wenn die Münchner ein Gastspiel geben mussten (man nennt das Auswärtsspiel) und Bayern gab das verdiente Geld (wahrscheinlich nur zum Teil) zur Verstärkung der Mannschaft aus. Andere Vereine gaben ähnliche Summen aus zur Außendarstellung.

Die Bayern brauchten jedoch nicht so viel Geld wie die Konkurrenz; es genügte die Person Uli Hoeneß.

Er brachte sich (Intelligenz gepaart mit Zielstrebigkeit) bewusst in den Mittelpunkt emotionaler und sportpolitischer Zielscheiben und nahm es auf sich, Hassobjekt Nummer eins in Deutschland zu werden. Wie gesagt: Deutschland.

Als ich in Spanien mit dem Roller unterwegs war gab es nur Lobeshymnen auf Bayern, der Respekt international ist gewaltig.

Der FC Bayern ist also gerne gesehener Gast in deutschen Stadien, sollte die Heimmannschaft dann tatsächlich mal gewinnen ist es diesem Verein jedoch nur möglich, dieses einmalige Glücksgefühl zu bewahren; ein Umsetzen in eigene Leistung ist meist nicht möglich. Wettkampf, egal welcher Couleur, hat halt nicht mur mit Emotionalität zu tun. Emotion als Leistungsmerkmal ist was für Deppen. Die Basis sollte schon stimmen.

Dass sich Bayern mit "arroganten" Spielern präsentiert liegt einerseits mit Sicherheit an der exaltierten Stellung erfolgreicher Menschen, die Leute sind aber nicht anders gestrickt als bei anderen Vereinen. Wenn ein Kahn sagt dass man bei Bayern spielt um Meister zu werden dann stimmt das sicherlich, keiner spielt bei denen um in den UEFA-Cup zu kommen. Und das seit fast 30 Jahren. Beim VFL Bochum träumt man mit Sicherheit noch von der Cup-Teilnahme des Jahres 2004, aber niemand wird es den Spielern übelnehmen, wenn sie das auch äußern. Die haben eben keinen Hoeneß. Sollte dieser sagen das die Bayern toll im Pokal gespielt haben dann wird er gesteinigt. Erstens von den Fans (das ist zu wenig) und zweitens von den Gegnern (geheucheltes Versagen).

Wenn man allerdings bedenkt, dass der Verein zum großen Teil von Subventionen lebt (GEZ-Gebühren) dann kann man nicht mehr davon reden, dass sie nicht anders behandelt werden als eben Tasmania Berlin.